Appulse + My Cannibal Family - Raw Fury präsentiert Genre-Mixes - pixelmonsters.de

Appulse + My Cannibal Family - Raw Fury präsentiert Genre-Mixes

von MartinTschitschke,

Spannende Kombination aus Mutanten-Parks und Weltraum-Pinball

Appulse

Der umtriebige Indien-Publisher Raw Fury hat in den letzten Jahren richtig stark beim Portfolio hinzugelegt. Das waren sicherlich außer Einzeltiteln nicht immer alles Hits. Aber an kreativer, geschmackvoller Auswahl mangelte es nicht.

Und so fanden sich zwei spannende Genremixe auf unserem Gamescom Messe-Programm.
Appulse ist ein runder, stimmiger Titel eines kleinen Teams aus dem nordfranzösischen Nantes, das sich stark an klassischen Flipper-Arcade-Games wie Space Cadet orientiert.
In einem wilden Cyberpunk-Scifi-Mix spielt ihr tatsächlich mit einer Flipperkugel über die Decks verschiedener Raumschiffe. Alles blinkt und leuchtet und entsprechend viele Punkte müssen angeflippert werden, damit man den Highscore schlägt.

Nicht nur das, die Decks werden auch von feindlichen Robotern überfallen, die ihr dann mit der Kugel zu besiegen habt. Bis hierher wäre es ja noch recht simpel. Der Clou des Mixes ist hier aber, dass die Kugel selbst immer mehr upgegradet werden kann und vor allen Dingen auch mit Schusswaffen bestückt werden kann. Damit ergibt sich noch mal eine ganz neue physikalische Reaktionsmomente, mit denen man spielen muss.
Oder auch die weitere zusätzliche Ebene: Diese Kanone an der Kugel muss auch regelmäßig aufgeladen werden.
Das klingt verrückt, macht aber einen Heidenspaß, ist erstaunlich, schnell zu lernen und Teil zu kontrollieren. Und jeder, der schon mal Flipper auf Steroiden sehen wollte, wird hier einen fantastischen Ansatz finden; das Beste des Flipperns und des Bullet-Hell-Genres miteinander vereint.

Und wie es oft bei den französischen Indie-Titeln ist, legen Sie hier noch einen drauf, nicht nur gibt es eine kleine Story, wenn auch eine seichte. Aber die Präsentation ist auch ungemein rund und stimmig. Vor allem hat uns die Musik überzeugt, die mit seinem treibenden Synth-Wave Beat die Spieldynamik spannend antreibt.
Unter den Indies, die wir auf der Messe dieses Jahr spielen durften, war Appulse wirklich einer unserer Geheimtipps.

Die Demo ist inzwischen raus und wir können euch nur beschwören, dem mal eine Chance zu geben. Denn jeder, der Interesse an Flippern hat, würde sonst hier wirklich was entgehen. Der Titel zeigt Indie-Kreativität und -Potential at it's Best.

My Cannibal Family

In My Cannibal Family seid ihr Betreiber und Erbauer verrückter Spektakel-Zirkus-Attraktionen, aber vor allem auch ein mutiertes Monster. Als solches habt ihr es natürlich mit den Nachbarn nicht so einfach und müsst euch derer erwehren. Sie sind allerdings auch Ressourcen für eure weitere Mutantenfamilie, die ihr in eurem Haus neben dem Park beherbergt, ranzüchtet und weiterentwickelt. Wer also schon immer mal die Rolle des Dings aus dem Hinterland spielen wollte und sich dabei gleichzeitig mit Normis eine amerikanische Kleinstadt anlegen wollte, ist hier genau richtig.

In einer neonbunten, absurd überzeichneten Trash-Comic-Optik spielt ihr hier was irgendwo zwischen Fortnite, Left for Dead und Survival. Tatsächlich haben uns die Entwickler erzählt, dass sie von Cosy-Games inspiriert wurden, aber bei denen ihnen das Design und die Themen zu niedlich waren. Insofern sind sie komplett in die andere Richtung gegangen und bedienen sich heftig beim Horrorfilmgenre und einigen Klassikern davon.

Die Spielmechanik besteht im Wesentlichen aus zwei verschiedenen Teilen, jeweils bei Tag und in der Nacht. Tagsüber sammelt ihr Ressourcen, die über die Nacht angefallen sind, baut daraus Attraktionen, Häuserteile, Fallen und allerlei Verbesserung für euer Wohnhaus und eure Familie. Diese Ressourcen stammen aus der Nacht, denn wenn ihr fertig seid, könnt ihr die Nacht „aktivieren“ und nun ist das Ziel, dass ihr die Besucher eures Anwesens möglichst ungesehen und auffällig, aber auch gleichzeitig kreativ um die Ecke bringt um möglichst nicht so viel Aufmerksamkeit der umliegenden Gemeinde auf euch zu ziehen. Denn sobald die Polizei anrückt, steht es schlecht um euren Clan.
Das Baukastenprinzip hier ist vielseitig, attraktiv und sehr umfangreich. Wer hier seinem abgedrehten Humor freien Lauf lassen will, findet kaum kreative Grenzen. Der Gore ist durchaus stark vorhanden, aber durch die Comic-Kräfte Gestaltung fast schon wieder etwas lustig. In der Nacht gilt es möglichst clever die Menschen auszutricksen und das hat einen gewissen Schleichaspekt sowie ein Survivalteil, falls ihr entdeckt wurdet.

Allerdings muss auch erwähnt sein, dass das Schleichen als Gameplay derzeit mit der Engine vielleicht noch nicht ganz rund umgesetzt ist und noch etwas Feinschliff braucht.
Bei My Cannibal Family hat man definitiv absurd wirren Fun. Gleichzeitig glauben wir, dass vor allen Dingen Local-Coop und zu viert online das Spiel einen Heidenspaß machen sollte. Für Streamer sowieso.

Ob sich die Mechanik lange für Einzelspieler trägt hängt ein bisschen von den narrativen Story-Elementen ab, von denen wir allerdings noch nicht sehr viel gesehen haben. Tatsächlich soll es bis zu 6 freischaltbare Themenpark- Szenarien geben. Vom Funhaus, zum Karneval bis zum Saloon außerdem wurden sich ausreichend Fallen überlegt und über 20 Attraktionen. Also es ist gewiss eine ausreichende Tiefe vorhanden, dass man auch alleine etwas Spaß haben kann.
Ob jedoch das trashige, subtil gestaltete narrative Designelement ausreicht, auch im Einzelspieler hier zu tragen, muss sich zeigen. Definitiv wird der Mehrspieler von My Cannibal Family aber zumindest eine lange Weile ein lustiger Spaß sein.

Wir hoffen, dass Raw Fury in der Hinsicht noch andere kreative Genre-Mixes für uns weiter bereithält.