GC25: Arcade- und Fun-Racer-Alarm mit Screamer und Sonic Racing: CrossWorlds - pixelmonsters.de

GC25: Arcade- und Fun-Racer-Alarm mit Screamer und Sonic Racing: CrossWorlds

von MartinTschitschke,

Powerert die Booster - es wird bunt

Aus eher zufälligen Gründen der Terminplanung kommt es bei den Gamescom-Terminen ja immer mal zu einer Sammlung an Spieledemos ähnlicher Titel aus vergleichbaren Genre-Ecken. Für uns hieß das dieses Jahr eine ganze Reihe Casual-Racer-Spiele zu sehen.
Aber da wir das Genre sehr mögen, sollten sich da spannende Entdeckungen ergeben. Hier sprechen wir zunächst über einen ungewöhnlichen Indie-Racer und dann über den blauen Konkurrenten Sonic des Nintendo-Klempners, der auch schon viel als Racer unterwegs war.

Anime-Arcade-Razer “Screamer”

Falls ihr euch noch nie wirklich gefragt habt, was aus den ganzen 90er-Jahre-Rennspiel der alten Konsolen geworden ist, dann ist hier trotzdem eine Antwort darauf:
Das lange und sehr etablierte, italienische Rennspielstudio Milestone (z.B. MotoGP) hatte damals Arcade-Racing erfolgreich mit zwei Teilen von Screamer in die Wohnzimmer gebracht. Aber die Konsolenwelt änderte sich schnell und dann wussten sie lange nicht wie sie mit der Reihe anknüpfen konnten. Bis ihnen vor ein paar Jahren die Eingebung eines Re-Imagenings kam. Und stellt sich das neue Screamer zwar ganz anders dar, die DNA alter Arcade-Racers bleibt aber weiter im Hintergrund erhalten.

Augenfällig ist vor allem die Präsentation: Screamer kommt nun in bunter, aber hochwertiger Anime-Optik daher, ist in einer Cyberpunk-Umgebung angesiedelt und ballert coolen Synthwave-Soundtrack. Der Anime- und Asien-Ansatz kommt nicht nur rein oberflächlich daher, sondern bildet einerseits die Grundlage für gut ausgearbeitete Charakter und eine für Rennspiele tiefe Narrative. Die Optik ist wirklich gut gezeichnet und kommt sogar bewusst ohne Cell-Shading aus, da eben auch die 90er-Animes eher weniger so gezeichnet waren.

Außerdem spiegelt sich die Anime-Logik auch den Kern-Gameplay-Elementen wider. Denn Screamer wäre ohne diese auch nicht so spannend: Man hat hier eine innovative, ungewöhnliche Mischung aus Rennsteuerung und Kampfspielelementen entworfen. Denn auf den Straßen von Neo Rey, der Stadt des Spiels, herrscht ein halsbrecherischer Krieg zwischen Racing-Gangs. Gott sei Dank ist dieser aber wegen einer Sci-Fi-Technologie nicht so gefährlich für die Protagonisten. Diese und ihre speziellen Fahrzeuge unterscheiden sich massiv und unterteilen sich jeweils in Anführer und Mitglieder der Gangs mit Anime-typischen Spezialskills und Fahrverhalten. Reine Mitglieder lassen sich etwas einfacher fahren, Anführer sind dann schon eine Pro-Herausforderung.

Das ziemlich tiefe und komplexe Gameplay beginnt beim Driften, da man hier einen neuen Ansatz gefunden hat. Die Fahrzeuge werden sehr feinfühlig mit den beiden Gamepad-Stick durch die Kurven gesteuert. Durch unterschiedlichen Stickeinsatz kann man dann ganz unterschiedliches Driftverhalten provozieren. Die Autos sind sehr hochgepowert, so ergibt sich ein Fahrgefühl fast wie RC-Drifter-Modellautos. Aber auch Kleinigkeiten wie das Schalten zahlen auf die Fahrdynamik ein. Trifft man den richtigen Sekundenbruchteilmoment bringt das direkt einen kleinen Mini-Boost. Driften und andere solche Aktionen zahlen auf einen Entropie-Balken ein, der heftigere, längere Boosts ermöglicht bis hin zum Super-”Schlag” Overdrive mit dem man einfach Gegner von der Strecke schießen kann. Aber auch der Overdrive ist nicht unbesiegbar, den währenddessen bedeutet eigener Bandenkontakt auch das direkte Aus für einen selbst. Wie bei Arcades üblich kommt man natürlich direkt zurück auf die Strecke und man kann sich noch zurückkämpfen. Bei modernen Spielen kann das vielleicht am ehesten mit den Rennen in den GTA-Spielen vergleichen um eine schnelle Vorstellung zu bekommen. Es hört aber damit nicht auf mit den Kampfspielanleihen, denn es werden auch defensive Aktionen benötigt, wie z.B. Schilde, die gegen Attacken etwas helfen.

Das alles wirkte beim Anspielen wir mit einer komplexen, aber logischen und spaßigen Aktionsökonomie durchdacht. So eine innovative Interpretation eines Arcade-Racer hatten wir sehr lange nicht mehr gesehen.
Da wir direkt fast alles freigeschaltet hatten, waren wir in den ersten Minuten natürlich etwas überfordert und konnten nicht so leicht obsiegen. Dennoch konnten wir direkt den großen Spielspaß in Screamer erkennen und freuen uns schon darauf den Rest der Welt, Strecken, Charaktere und ihrer Geschichte zu erfahren.

Nächstes Jahr ist es dann endlich soweit mit der Veröffentlichung auf PlayStation 5, Xbox Series X|S und PC.

Screamer - Gameplay Reveal Trailer

Crazy Kart-Action auf vielen Strecken parallel bei Sonic Racing: CrossWorlds

Schon am 25. September 2025 soll die neue Version des Sonic-Kart-Racers “Sonic Racing: CrossWorlds” auf fast allen Plattformen erscheinen - nur wenige Monate nach der lange erwarteten neuen Version der Kart-Referenz mit Mario von Nintendo.
Hier sucht Sega entweder entschieden das Duell (nicht jeder Gamer wird sich ja eine Switch 2 kaufen) oder jemand war (bewusst?) sehr wagemutig.
Nicht falsch verstehen, die Sonic-Racing-Kartrennspiele sind schon seit langer Zeit auch sehr, sehr gut und bilden fast ihre eigene Referenz abseits von Nintendo. Wir hoffen in jeden Fall, dass der Markt Platz für beides lässt und sich auch hier ein ausreichender Erfolg einstellt.

Denn nicht nur mochten wir die älteren Sonic-Rennspiele, auch die lange Gameplay-Session mit “Sonic Racing: CrossWorlds” hat wieder solide sehr viel abgeliefert. Nicht nur bietet es quasi jeden Charakter aus dem unendlichen Sonic-Universum selbst. Man hat darüber hinaus auf eine Erweiterungsstrategie à la Fortnite eingestellt, so dass es jede Menge Nachschub geben wird und es beginnt ausgerechnet mit dem ältesten Gamecharakter überhaupt: Pac-Man, lol. Mal sehen ob diese 2D-Scheibe 4D-Karts fahren kann!

Warum 4D? Nun, man belässt es nicht bei den bekannt Gleitabschnitten für die Karts, sondern bietet Unterwasser-Abschnitte und viele weitere Variationen. CrossWorlds sich aber auch ein dickes Feature vom PS5-Action-Titel Rachet & Clank abgeschnitten und sprang ab und zu zumindest auf unser PS5-Testsession per Übergang durch Portale auf ganz andere Strecken.
Nicht dass die Strecken nicht schon ohnehin sehr komplex und voll mit Elementen waren, aber diese technisch beeindruckenden Streckensprünge waren dann wirklich das letzte bisschen um einem mittelalten Mann die Synapsen zu überladen. Wir hoffen die jungen Gehirne der kindlichen Zielgruppe sind da flexibler, aber schön wäre es fast, wenn diese Streckensprünge optional abgestellt werden könnten.
Im Angebot der Spielmodi konnten wir auch fast alles auswählen und die Auswahl ist dieses Mal auch wieder umfassend: klassischer Grand Prix, World-Match online, online mit Freunden, im Party-Modus Rennpark nach eigenen Regeln, auf Zeit, oder im Benutzer-Match nach eigens definierten Regeln. Besonders spannend sind die Modi lokaler 4-Spieler-Splitscreen für den bekannten Party-Spaß und das Rivalensystem in dem sich die Animositäten der Sonic-Charakter narrativ auf der Strecke in Dialogen ausspielen.

Noch bemerkenswert ist, dass das moderne Cross-Plattform-Online-Spiel unterstützt wird. Sehr löblich für den Langzeit-Support.
Ansonsten aber können wir nach der lustigen Anspielsession aber sagen, dass der CrossWorlds wieder das gewohnt gute Fahrgefühl mitbringt und in jeder Hinsicht mit einer übergroßen Fülle an Optionen ein sehr gutes Paket bietet, dass sicher nicht nur bei den Sonic-Fans seine Freunde finden wird. Auch wenn es vielleicht etwas weniger cringe wäre, die Fahrer nicht noch “lustige” Anime-Sprüche miteinander klopfen würden.
Hier steckt ein wirklich super Kart-Racer-Titel in CrossWorlds, der sich im Prinzip mit der großen Konkurrenz messen kann, nur in der darüber liegenden Präsentation sollte hier und da noch etwas mehr Feingefühl gefunden werden, dann sollte sich die Fan-Basis der Serie nochmal weiter vergrößern lassen.

Sonic Racing: CrossWorlds | gamescom Trailer