Wir sind Gamer Demo Exklusivbericht - pixelmonsters.de

Wir sind Gamer Demo Exklusivbericht

von MartinTschitschke,

Gamer-Demos gegen Verbote und für Akzeptanz mit überschaubarer Teilnehmeranzahl. Wir waren für Euch mit dabei und berichte exklusiv von der Wir sind Gamer Demo aus Berlin.

Im deutschen Internet rumort es gegenwärtig immer mehr und das nicht nur im Zusammenhang mit den kürzlich durchgedrückten „Kinderpornografie“-Sperren. Aktuell wird die höchst erfolgreiche Petition dagegen noch bearbeitet, da kam gleich die nächste erfolgreiche Internet-Petition gegen eines der seligen Vorhaben unserer Politiker zum Schutz der Bevölkerung auf. Das von den Innenministern geforderte Verbot der brutalen Computerspiele, die als Killerspiele schon vorab diffamiert sind, will sich eine erhebliche Menge Menschen nicht gefallen lassen. Zusätzlich wurden in den letzten Monaten im süddeutschen Raum mit lapidarem Bezug auf den schrecklichen Winnenden-Amoklauf diversen LAN-Parties untersagt. So ist jetzt bei ein paar Gamern der Knoten geplatzt und in Anbetracht der Gefährdung ihres Hobbys wurde zur Parallel-Demonstration gegen das Verbot in Köln, Berlin und Karlsruhe aufgerufen. Mottos der Demos waren dabei „Gamer sind keine Killer“ und „Keine Verbote, keine Zensur“, denn als Zensur wird schon der jetzige Umgang mit nicht freigegebenen Spielen unter Spielern begriffen. Am Samstagnachmittag versammelten sich also wenige hundert Zocker am Brandenburger Tor und schon hier viel auf, dass der Event von den Oppositionsparteien wohl als Nachwuchs-Marketing-Instrument verstanden wurde. Insbesondere die Piratenpartei wirkte fast wie der Initiator der Veranstaltung und Grüne und FDP hingen sich wohl gerne an die für sie erschreckend erfolgreiche neue Parteikraft.



Mit starker Polizeibegleitung setzte sich der Zug dann etwas verspätet Richtung Alexanderplatz in Bewegung. Richtig kreativ waren die Protestler dabei jedoch nicht; über Spruch-T-Shirts hinaus wurde nur die Parteienbeflaggung präsentiert. Parolen skandierte man gegen das Verbot von Games, gegen die Darstellung der Gamer als potenzieller Killer sowie für die kulturelle Akzeptanz der neuen Medienform. Wie fern den meisten die Killer-Identität war zeigte sich darin, wie harmlos die Aktion vonstatten ging. Für viele dürfte es die erste Demonstration gewesen sein. Jedes Berliner Schüler-Begehren birgt mehr Eskalationspotenzial. Originell unterstützt wurde die kulturelle Relevanz der Computerspielgeneration durch das laute Abspielen bekannte Nintendo-Hymen wie Tetris und Mario über Megaphon. In diesen Momenten herrschte dann auch die beste Stimmung bei den Unterstützern. Überhaupt war kaum jemand mies gelaunt ob des Anlasses, man war wohl froh der eigenen Überzeugung endlich einmal öffentlich Gehör verleihen zu können.



Am Ziel des Roten Rathauses vor dem Neptunbrunnen war eine winzige Bühne mit Lautsprecherwagen aufgebaut, an der die Abschlussansprache abgehalten wurde. Die Piratenpartei bot hier wieder einmal ihr symbolisches Killerschach an. Nachdem die Organisatoren selbst noch einmal ihre Argumente darlegten und ihren Appeal an die Politiker der überholten Generation richteten, ergriffen die Jungvertreter von den Grünen, Piratenpartei, FDP und SPD das Wort um Wähler gegen den Regierungskurs für sich zu gewinnen. Hier musste jedoch der JuSo-Vertreter ordentlich Schelte für das Programm seiner Parteiälteren einstecken, obwohl er für die Meinung der Demonstranten argumentierte.
Die insgesamt recht unspektakuläre Demo endete dann schließlich mit weniger als der Hälfte ihrer Höchstteilnehmerzahl, mit ca. 200 Personen. Obwohl hier viel Parteipolitik mitspielte, war es dennoch sichtbar wichtig, dass bei der digitalen Generation gerade endlich einmal die Gamer kurz von ihren Kisten aufstanden und ihre Positionen in der Politik außerhalb des Netzes repräsentierten.