von Alexander Kircheis, 16.01.2010
Das Jahr 2009 hatte einige große Titel in Petto. Mit Star Trek 11 kam die Renaissance, mit Terminator 4 die Erlösung, mit Benjamin Button die Wiedergeburt, mit Slumdog Millionär eine fremde Kultur und mit Avatar die dritte Dimension. Namhafte Regisseure wie Cameron, Fincher, Aronofsky und Mendes gaben sich wieder die Ehre. Nun wird es Zeit das Jahr in meinen Kino Top Ten und Flop Ten Revue passieren zu lassen.
Meine Flop Ten 2009 führe ich dieses Jahr erstmals ein. Hierzu zähle ich meine größten Enttäuschungen, schlechte Filme, schlechte Filme ohne Story und all das was man leider viel zu oft im Mainstream Kino zu Gesicht bekommt. Dies geschieht oft bewusst. Aber leider auch sehr oft unbewusst. Dieses Jahr sind es leider noch keine 10 Filme geworden. Sagen wir mal, Glück gehabt. Somit müsst ihr euch mit meiner "Flop Eight" begnügen.
08. Avatar - Aufbruch nach Pandora
Visuell nicht von dieser Welt. Inhaltlich grottenschlecht und kitschig. Cameron übertreibt es in jeder Szene, bei jeder Farbe, jeder Kleinigkeit. Die Schauspieler gehen im Effektgetöse unter und die tragende Dramaturgie ist vorhersehbar. Dennoch denke ich, dass die Leute genau "DAS" sehen wollen. Der 3D Effekt ist nicht aus dieser Zeit.
07. Drag Me to Hell
siehe
Kritik
Sam Raimi hatte mit Drag Me to Hell einmal die Chance zwischen all den Spiderman Filmen mal so richtig auf die Kacke zu hauen. Aber leider tut er das in Drag Me to Hell nicht. Für mich war der Film leider viel zu brav und vorhersehbar. Schade Sam. Da wäre ebenfalls viel mehr drin gewesen.
06. Jennifer's Body - Jungs nach ihrem Geschmack
Megan Fox mauserte sich 2009 zu einer der unbeliebtesten Personen im Filmbusiness. Sie lies sich offen über Sex aus und hatte einen Kleinkrieg mit Michael Bay. Dieser verhalf der guten Megan somit auch zu ihrem schlechten Auftritt in Transformers 2. Bis dann Jennifer's Body angekündigt wurde. Der Film ist hart an der Trashgrenze vorbeigeschrammt. Er bietet ansatzweise interessante Charakterkonstalationen in denen Megan Fox sogar besser als erwartet in ihre Rolle passt. Trotzdem wäre in Jennifer's Body erzähltechnisch einfach mehr drin gewesen. Hätte sich Drehbuchautorin Diablo Cody mal eine Regie gesucht, die ihren Stoff auch umsetzen kann.
05. Terminator - Die Erlösung
siehe
Kritik
McG versucht sich nach Charlie's Angels am Terminator Stoff und scheitert damit kläglich. Terminator 4 ist ein uninspirierendes an der Terminator-Serie vorbeiproduziertes Actiongetöse geworden. Statt der Wiedergeburt mit einem strahlenden Helden in der Form von Christian Bale ist Terminator 4 nur ein lauter Actionkracher, der inhaltlich und schauspielerisch überhaupt nicht fesseln kann und von seinen Vorgängern gnadenlos abgehängt wird und nicht einmal mehr die Klasse eines Terminators 3 erreichen kann. Der Geist der Serie ist verflogen.
04. Twilight - Biss zum Morgengrauen
Gleich zweimal wurde ganz großes Vampir-Kitsch-Kino in diesem Jahr gefeiert. Zu meinem Unmut habe ich leider den ersten Teil sehen müssen. Dieser Teil strotzt nur so vor langweiliger, triefender Romantik. Schmalzig warm irgendwie. Kitschig und unendlich vorhersehbar. Twilight ist einer der langweiligsten Vampirfilme die ich seit langem über die Leinwand flimmern gesehen habe. Liebe Vampirfans, lasst lieber die Finger weg und freut euch auf Daybreakers.
03. 96 Hours
Was hat diese neue Franko-Action-Hysterie nur im Kino verloren? Der französisch-produzierte 96 Hours hat eine dämliche Story und ist ein uninspirierter Rachethriller, der zu keinem Zeitpunkt spannend ist. Liam Neeson begibt sich auf einen Feldzug durch Paris. Das soll möglichst cool und abgeklärt wirken. Entspricht aber nicht der Plotbeschreibung auf dem DVD Rücken. Liam mäht alles nieder ohne zu fragen. Wo ist da die Logik und der Sinn?
02. Freitag der 13.
Da habe ich ganz klar mehr erwartet. Aber was Michael Bay produziert, kann einfach nicht gut werden. Auch hier sollte die Wiedergeburt in der Freitag der 13. Serie eingeleitet werden. Freitag, der 13. ist aber zu einem Rückschritt verkommen und bietet dem Fan nur alte Horrorfilm-Verhaltensmuster. Ganz großes "Gähn" Jason.
01. Der seltsame Fall des Benjamin Button
siehe
Kritik
Was hat David Fincher hier verbrochen? Langsam vor sich hinplätschernd und ohne wirkliches Highlight erzählt uns David Fincher die Geschichte eines alten Mannes, der immer jünger wird. Nicht der Film sondern eher die
Leistung von David Fincher war für mich die Enttäuschung des Jahres. Benjamin Button hätte auch ein Regie-Noname so drehen können.
10. Antichrist
Wie fühlt sich ein Klotz am Bein an? Diese Frage beantwortet uns Lars von Trier mit seinem filmischen Werk "Antichrist". Hier geht Lars von Trier sehr weit und verarbeitet mit "Antichrist" seine Depressionen. Visuell oft sehr beeindruckend liefern sich Dafoe und Gainbourg ein Psychoduell ab. Schwer verdaulich, manchmal sehr wüst aber dennoch der interessanteste Film des Jahres.
09. Star Trek
siehe
Kritik
Überraschend jung und spritzig fühlte sich das in Jahre gekommene Star Trek an. "Mission Accomplished".
08. Gran Torino
siehe
Kritik
Unermüdlich produziert Clint Eastwood neue Filme. Diesmal wieder als großartiger Hauptdarsteller und nebenbei stemmt er auch noch die Regie. Gran Torino greift hierbei wieder ein Problemthema der USA auf und erzählt nebenbei die Geschichte von Walt Kowalski, einem sturen alten Mann, der sein Wesen trotzdem ändern kann. Sehr sehenswert.
07. Tödliches Kommando - The Hurt Locker
Kathryn Bigelow hat ihr Gespür für Action noch nicht verloren. Diesmal zeigt sie uns den gnadenlosen Alltag an der Irakischen Front. Hierbei begleiten wir im Film ein Bombenentschärfungsteam. Das ist nicht nur brenzlich sondern auch hochspannend. Tödliches Kommando - The Hurt Locker ist ein spannender und starker Actionfilm, der auch die moralischen Beweggründe an der Front hinterfragt.
06. Slumdog Millionär
Slumdog Millionär, der große Oscar-Gewinner 2009, ist eine Tour de India. Danny Boyle geht mit einer ungeheueren Spritzigkeit an den Stoff und verfilmt ihn mit Schnelligkeit, hohem Tempo, starken Gefühlen und toller Musik. Eine sehr erfrischende Grundkonstellation.
05. District 9
Frisch. Unterhaltsam und sehr überraschend wird hier einmal das Thema Aliens vs. Menschen umgedreht. Für Science-Fiction-Fans absolut sehenswert.
04. (500) Days of Summer
Mein Liebesfilm des Jahres. Ohne schmalzig zu werden wird hier eine Geschichte von zwei Liebenden geschildert, die nicht füreinander bestimmt sind. Die Musik und der Aufbau des Films machen Ihn zu etwas Sonderbaren. Die tollen Schauspieler ergänzen sich hierbei sehr gut. Joseph Gordon-Levitt ist für mich die Entdeckung des Jahres. 2010 ist er auch neben Leonardo DiCaprio im neuen Christopher Nolan Film "Inception" zu sehen sein. (500) Days of Summer ist ein toller Film.
03. Watchman - Die Wächter
Comicverfilmungen sind seit Spiderman voll im Trend. Mit Watchmen hat sich Zack Synder ein weiteres Schwergewicht der Comicszene geangelt und ihm ist wieder ein wunderbares und mutiges Werk gelungen. Watchmen ist
detailverliebt, toll in Szene gesetzt und zu keinem Zeitpunkt der 2 1/2 Stunden langweilig. Es ist jedoch sehr schwer in diesem visuellen Bilderregen schauspielerisch mitzuhalten und da sehe ich auch die Schwäche der Watchmen. So wie Watchmen im Kino zu sehen war, war dies nur eine kurze präzise Abhandlung des Comics. In die Tiefe konnte Synder jedoch nicht gehen. Dafür wurde in diesem Jahr der Ultimate Cut auf DVD veröffentlicht. Watchmen - Die Wächter ist in meinen Augen eine großartige Comicverfilmung und gehört visuell und inhaltlich zu den Top 3 des Jahres.
02. Zeiten des Aufruhrs
Zeiten des Aufruhrs ist ein Kammerspiel. Wie ein Bühnenstück inszeniert und von Sam Mendes in Szene gesetzt. DiCaprio agiert in diesem Stück sehr überzeugend und bildet mit Kate Winslet das "Traumpaar" für diesen Film. Gefangen in gesellschaftlichen Zwängen versucht hier ein Paar aus dem Alltag auszubrechen und scheitet daran kläglich. Starke Charakterköpfe und die intensive Darstellung der Geschichte machen "Zeiten des Aufruhrs" zu einem der besten Filme im Jahr 2009.
01. The Wrestler
Ganz klar meine Nummer 1. Darren Aronofsky schickt seinen Protagonisten durch die gesellschaftliche Hölle der Unterschicht. Mickey Rouge passt perfekt in die Rolle des alterden Wrestlers, der sich mit blutigen Wrestlingeinlangen über Wasser hält und seinen Platz in der Gesellschaft noch nicht gefunden hat. Eine große Charakterdarstellung von Mickey Rouke und für mich der beste Film des vergangenen Jahres.
So, das war es also mit 2009. Diesmal haben mir besonders die Dramen zugesagt und ich freue mich, dass das Comicgenre mit einem guten Film in Szene gesetzt wurden. Verpasst habe ich auch so einiges. Am aller meisten ärgere ich mich, dass ich "Wo die Wilden Kerle wohnen" und "Inglourious Basterds" nicht gesehen habe. In "Zombieland" habe ich es leider auch nicht geschafft. Ich denke diese Filme hätten meine Top Ten noch einmal durcheinander gewürfelt.
Avatar hat mich mit seiner Technik sehr beeindruckt. Special Effects werden durch den 3D-Effekt nicht mehr so als Fremdkörper im Film gesehen. Hier schafft es Cameron, die Special Effects vielmehr als eine Ergänzung in den Film zu integrieren. Leider war ich die Geschichte von Avatar sehr fad. 2010 dürfte jedoch ein wichtiges Jahr in Hinblick auf 3D für die Industrie werden.
In diesem Jahr freue ich mich schon sehr auf:
A Serious Man
Alice im Wunderland
Daybreakers
Inception
Iron Man 2
Predator 3
Tron
Up in the Air
So, dass war's dann mal für mich mit dem Jahr 2009. 2010 kann endlich kommen.