Home » Games » Reviews » GTA San Andreas von MartinTschitschke, 17.07.2009


as man an diesen verkürztem Storyabriss schon merkt ist, dass trotz der präsenteren Hintergrundgeschichte wie schon immer auch bei San Andreas die Spielwelt wieder einen sehr starken Beitrag zum Spielerlebnis liefert, vielleicht auf Grund der reinen Größe stärker als je zuvor. Für Fans der Reihe ist ja immer wieder ein beliebtes Diskussionsthema, wie stark sich die Spielwelt brutto bzw. netto im Gegensatz zum Vorgänger vergrößert hat. Grob geschätzt ist der Staat San Andreas etwas fünfmal so groß wie Liberty City aus GTA III und vielleicht 2-3 so groß wie Vice City, nur das Stadtgebiet eingerechnet. Denn der Inhalt von drei Metropolen in einer Spielwelt hat zur Folge, dass diese sich auf drei Rieseninseln verteilen, die einerseits zwar von viel Wasser umschlossen sind, aber andererseits auch sehr viel Gelände ohne Großstadt enthalten. Das Gelände beinhaltet dafür die verschiedensten Landschaftstypen wie Wüste, Farmland, einer Nationalpark-ähnlichen Baumlandschaft samt Riesenberg und schließlich diverse Nestern, in denen man sich mal zeitweise vom harten Gangsteralltag erholen kann. 85% der Hauptmissionen spielen sich allerdings dennoch in den Städten ab und das ist sehr clever, denn deren geniales Design ist wirklich eine kleine Revolution der Computerspiele.

Denn Anfang macht Los Santos, das in unübersehbarer Anlehnung an Los Angeles zu Hälfte aus einem niedergewirtschaftetem Gangsterviertel besteht, welches die Heimat des Protagonisten CJ darstellt und eine Nachbildung des berühmt-berüchtigtem L.A.-Gangsterviertels Compton ist. Die andere Hälfte der Stadt ist dann dazu ein ziemlicher Gegensatz, denn sie kommt als Hollywood-Verschnitt samt Strand und den Hills daher, in denen die Stars wohnen. Obwohl man sich wieder Häuser als Savepunkt kaufen kann, erscheint anfangs eine Luxusvilla in diesen Bergen unbezahlbar und man muss einige Stunden gedulden. Die zweite Stadt San Fierro fängt die Atmosphäre des Vorbilds San Francisco gekonnt ein, in dem sie Multikulti- und Geschäftsviertel verbindet und das Ganze in den sanften Nebel der Bay, die von einem berühmten Brückennachbau durchzogen wird, eintaucht. Neben einem großen Kurhotel beinhaltet San Fierro aber auch jede Menge Kiffer, ein Chinatown in der Hand der Triaden und ein kleines Gayviertel. Den Abschluss der Reise bildet die Spielerstadt Las Venturas (was hier Vorbild war ist wohl klar) mit mehr als zehn wirklich zu benutzenden und wunderschönen Themen-Casinos, einem großen Flughafen direkt in der Stadt und ein bisschen Indio- und Industriegebietflair.



Bei diesen Größenverhältnissen des Staates stellt man sich unweigerlich irgendwann die Frage nach den Transfermöglichkeiten innerhalb dieser Welt. Das funktioniert zum einem mit einem erneut massiv erweitertem Fuhrpark (unglaublich, aber wahr!) von rund 150 Fahrzeugentypen über ein gut ausgebautes Netz von Freeways, allerdings kann man dann mitunter bei weiteren Strecken schon mal ein Viertelstündchen oder mehr einplanen. Oder man bedient sich des an Bedeutung gewonnen Flugverkehrs. Hier kann man entweder Linienflüge zwischen den nach und nach freigeschalten Metropolen buchen oder man nimmt im späteren Spielverlauf selbst den Steuerknüppel in die Hand und steuert eines der vielen Flugzeuge oder einen der vier verschiedenen Hubschrauber. Dabei gibt es echte Schmuckstücke, die man später sogar in einem eigenen Flugplatz zur Verfügung hat.


Die GTA-Serie war schon immer sehr nichtlinear und bot massive spielerische Freiheiten auch neben der Hauptstory. Gerade in dem Bereich scheint sich Rockstar noch einmal selbst übertreffen zu wollen. Das Leben in San Andreas bietet außerhalb der Hauptmission natürlich wieder die Möglichkeiten des massiven Autodiebstahls und des Erkunden der Welt, was komischerweise fast ewig noch Spaß macht. Außerdem sollte man sich neuerdings auch um das leibliche Wohl von CJ kümmern, denn dieser hat nun erstmals rollenspielähnliche Charakterwerte wie Hunger. Wenn man nicht regelmäßig in einen der Fast-Food-Tempel in San Andreas rennt, leidet die Kondition. Nimmt man hingegen zuviel der Fettfinger zu sich, platzt man aus allen Nähten. Die körperliche Konstitution ist dabei neben der Kleidung, die man sich in vielfältiger Ausfertigung und Kombination in diversen Boutiquen kaufen kann, ein wichtiger Faktor für den Wert des Sexappeals. Daneben hat man noch einige weitere Charakterwerte, insbesondere für die verschiedenen Fahrzeugsteuerungen wie z.B. Motor- oder Fahrradskills, die man quasi nebenbei durch die Benutzung eben dieser Vehikel verbessert. Des weiteren hat man unter anderem noch die Möglichkeit sich die Zeit zu vertreiben, indem sich am Glückspiel versucht, eine Billard-Partie wagt, Automatenspiele spielt, ins Fitnessstudio geht, um an seinem Äußeren zu arbeiten oder später diverse Autorennen fährt.

Wohl die interessantes Möglichkeit sich in San Andreas zu verlustieren, sind die Frauen. Hier kann man zwar auch noch in den Stripclub gehen, aber lustiger und günstiger wird es, zu versuchen eine der möglichen Freundinnen aufzureißen und sie mit einigen abwechslungsreichen Dates dazu zu überreden, zu ihr nach Hause zu dürfen. Was dort passiert kann man zwar nur mit einer Internet-Mod aus erster Nähe betrachten, aber so kann man sich darüber noch einige extra Features wie Kleidung frei spielen. Durch die vielen Nebenmissionen zu denen auch wieder die beliebten Polizei-, Krankenwagen- und Feuerwehrmissionen gehören und die verschiedenen Charakterfeatures entsteht nicht nur eine Spielzeitverdreifachung im Vergleich zum Durchspielen des Hauptmissionsstranges, sondern auch ein zusätzlicher Suchtfaktor à la „Die Sims“, der einen weiter an die virtuelle Welt fesselt und einen dort fast ein zweites Leben aufbauen lässt. Langzeitmotivation ist also zumindest solange gegeben, bis man es dann doch durchspielt und fast jede Ecke in- und auswendig kennt (nach frühestens weit über 90 Stunden).