Home » Games » Reviews » GTA San Andreas von MartinTschitschke, 17.07.2009
 


as die Optik angeht, lebt GTA schon seit Vice City von der Detailverliebtheit der Rockstar-Grafiker. Die Engine ist trotz einiger Neuerungen wie Verwischeffekte beim Fahren hoffnungslos veraltet. Vielleicht ist das wegen der extremen Weitsicht und der Größe der Areale, die komplett ohne Nachladen auskommen, immer noch notwendig, allerdings kann man damit nirgendwo noch einen Schönheitspreis gewinnen. Nahezu komplett wieder aufwogen wird dieser Makel jedoch wieder einmal dadurch, dass das Gesamtbild stimmt. Das Erscheinungsbild der Städte und Landschaften ist einfach so liebevoll gestaltet, dass man sich zwar bewusst in einer künstlichen Welt bewegt, aber deren Charakteristika immer sofort mit realen Orten verbindet. Gerade dadurch, dass die Atmosphäre besonders der Städte so kongenial eingefangen wurde, muss man die Grafik dann trotzdem loben. Wer sich Las Venturas beleuchtet bei Nacht angesehen hat, weiß was damit gemeint ist. Und schließlich gibt ja auf Grund der schieren Größe der Welt immer noch neues wie jede Menge Easter-Eggs zu entdecken. Nur Grafik-Angeber-Gamer werden wohl über die geringen Polygonzahlen nicht mehr hinwegsehen können/wollen. Allerdings können die dann auf das nächste GTA für den PC hoffen, da das endlich mit einer komplett neuen Engine daher kommen soll.

 



Keinerlei Kompromisse muss der ambitionierte Gamer dagegen im Audio-Bereich eingehen. Zwar können weder die Fahrzeuggeräusche trotz unglaublicher Vielzahl noch die Waffensounds komplett mit aktuellen Renn- bzw. Shooterspielen mithalten, die Synchronisation hingegen, die wieder nur in Englisch vorliegt, hat man so in Computerspielen noch nicht erlebt. Nicht nur das jeder einzelne Fußgänger und Autofahrer gut synchronisiert mit derben und fast immer lustigen Sprüchen daher kommt, wenn man ihm zu Nahe kommt, auch bei den Hauptcharakteren staunt man ob der Qualität. Die ohnehin schon genialen und kultigen Dialoge werden von ausgemachten Profis gesprochen. Zwar wurde die Stimme der Spielerfigur CJ mit einem unbekannten, aber talentierten Nachwuchsrapper besetzt, bei den Nebencharakteren aber ließ man bekannte Hollywood-A-Prominenz wie Samuel L. Jackson, Peter Fonda, James Woods und Chris Penn und Musikstars wie Big Boy, Yo Yo, Ice T und The Game an Mikrofon. Insbesondere Pulp Fiction-Star Jackson vermag es dem korrupter Cop Tenpenny eine unglaubliche Intensität zu vermitteln, wie man es sonst nur aus Filmen des Stars kennt.

Die Musik des Spiels wird auch diesmal wieder ausschließlich per Autoradio abgespielt. Für dauerhafte Abwechslung kann man wieder seine komplette MP3-Sammlung einbinden. Wer die aber schon auswendig kennt, bekommt diesmal mit satten 11 Radiostationen mit jeweils ca. einer Stunde Spielzeit auch durch das Spiel ein umfangreiches Angebot. Der Schwerpunkt der meisten Sender liegt diesmal natürlich auf Black Music, d.h. alles Mögliche an Rap, HipHop, Funk und Soul. Wer daran nichts findet, mag garantiert einen der anderen Sender, die z.B. Independent, Country, Talk oder sogar Old-School-House spielen. Dabei konnte Rockstar auch wieder viele längst vergessene Perlen wie Song von Public Enemy, Depeche Mode, James Brown oder Rage against the Machine lizenzieren, die einen beachtlichen Anteil am Flair der frühen 90er in San Andreas haben. Auch einige nicht so bekannte Songs haben frappierende Ähnlichkeit mit Hits von damals. Alles im allem ist das musikalische Repertoire von GTA mal wieder absolut mustergültig.

Einen Multiplayer-Modus sucht allerdings immer noch vergebens in der Standart-Installation, hier muss man Mods aus dem Internet bemühen. Dieser Fakt ist eigentlich sehr schade, denn die Playstation 2-Version zeigt anhand einiger Minimissionen, dass es durchaus schon möglich ist, so etwas zu integrieren. Auf der Konsole kann man z.B. Billard gegeneinander spielen oder Amokfahrten starten. Mit einem zweiten Controller wäre das auch ohne Netzwerk auf dem PC sicher sehr spaßig gewesen.