Die Zukunft der Exklusives: Zwei Pfade - pixelmonsters.de

Die Zukunft der Exklusives: Zwei Pfade

von MartinTschitschke,

First Party wieder nur auf dem Heimsystem, Third Parties müssen offen bleiben

Die Lage in der Industrie, besonders für die Gaming-Branche, wird 2026 zu gravierenden Weichenstellungen für die Zukunft unserer Gaming-Lieblingsplattformen führen. Sah es bis Mitte dieses Jahres zuletzt größtenteils noch aus, als ob der Trend mehr und mehr zu Multiplattform-Titeln fast ohne exklusive Releases geht, hat sich zuletzt doch Einiges getan bei den Kernstrategien der Konsolen-Hardware-Hersteller Sony und Xbox.

Als Status quo der letzten Jahre hat der PC das breiteste Angebot und ist offen für alles, Nintendo ist das absolute Gegenteil davon und veröffentlicht seine Titel nirgendwo anders (mit Ausnahme von ein paar Handy-Ablegern), und die beiden anderen Konsolenhersteller versuchten zumindest sich etwas zu öffnen, wenn auch mit einem größeren Zeitverzug bei Playstation. Sie versuchten ihre großen Hausmarken stärker auf dem PC ausspielen. Insbesondere XBox hatte dort eine Strategie gefahren, die de facto die Konsole zweitrangig machen würde, indem das mittelfristige Ziel war das Spiele-Portfolio der grünen Marke auf möglichst vielen Plattformen verfügbar zu machen und darüber größeren wirtschaftlichen Erfolg zu erzielen.

Und grundlegend konnte man diesen übergreifenden Öffnungstrend auch weiterhin bis hin zum Sommer Games Fest dort besonders deutlich erkennen. Selbst in den Präsentationen von Xbox und Playstation traten die früher teils schon lächerlichen “Exclusives” in den Hintergrund. Die meisten Trailer, vor allen Dingen, die in den nicht-Hersteller-reinen Shows, zeigten auf ihrer Endkarten so gut wie immer die Reihe fast aller wichtiger Plattformen. Diese Web-Trailer versprachen Unterstützung für mindestens PC, Playstation 5, Xbox und sogar oft auch noch Switch 2.
Jetzt hätte man den Eindruck einer schönen neuen, heilen Welt einer vereinigten Gaming-Kultur bekommen können. Wären da nicht wirtschaftliche Zwänge und der Druck durch KI-Investment-Performances in der Tech-Branche, auch von z.B. Microsoft selbst mitgetragen.
So kam es plötzlich vor allen Dingen bei Microsoft zu einer ziemlich harten Kehrtwende die damit begann, dass die Chefetage des Gaming-Giganten vor kurzem ausgetauscht wurde. Man konnte den Eindruck gewinnen der Großkonzern hatte zuletzt die Geduld mit dem manchmal doch recht zuschussintensiven Geschäft von Xbox-Hardware verloren. Die Xbox-anywhere-Kampagne wurde kurze Hand abgewürgt, und die neue Chefin, Asha Sharma, schrieb es sich auf die Brust die Marke XBox wieder aus sich selbst heraus stark zu machen.

Das heißt dann aber eben auch, dass weniger der First-Party-Studios auf der Konkurrenz-Plattform erscheinen dürfen.
Bei der anderen Seite des Duopols, bei Playstation, war man zwar auch in den letzten Jahren strenger was die First-Day-Releases der Kernmarken anging. Dennoch konnten sich PC-Spieler in den letzten Jahren häufig über, wenn auch sehr verspätete, Portierungen freuen die oft noch sehr gut waren und gegebenenfalls auch ganz neue Spielergruppen auf der PC-Plattform erschließen konnten. Aber auch hier scheint der wirtschaftliche Druck als Ursache, die zum Teil doch kleinen und tröpfelnden Umsätze solcher Portierungen als nicht erstrebenswerter Maßnahme erscheinen zu lassen. So hat sich die Playstation Chefetage dann zuletzt mit zweifelhaftem Ruhm bekleckert, indem sie nur noch dazu verpflichten Live-Service-Games zum ersten Tag auch auf dem PC erscheinen lassen wollen. Einzelspielertitel sollen de facto wenig bis gar nicht mehr und wenn dann vielleicht sogar nochmals deutlich später oder nur in Ausnahmen portiert werden. Auch ließ man sich nicht dazu hinreißen konkret betroffene Titel zu nennen. Allerdings kann man schon vermuten, dass ein Ghost of Yotei oder ein Horizon 3 vielleicht niemals mehr auf dem PC erscheinen könnten.
Inzwischen erscheint der wirtschaftliche Druck des Finanzmarkts einerseits und andererseits der immer teurer werdenden Big-Budget-Blockbuster-AAA-Produktionen, die zuweilen dreistelligen Millionenbeträge verschlingen, und damit ein Risiko darstellen, das nicht schief gehen darf, als die zwei Faktoren, die dazu führen, dass man hier nervös wird. Und jetzt versucht per Strategiewechsel, seine Kern-Assets zu beschützen.

Der Leidtragende ist in diesem Fall natürlich der Multiplattform-Gamer, der auch gerne mal einen Exklusivtitel von einer Hardware spielen möchte, die ihr selbst nicht anschaffen will oder kann. Angemerkt sei hier, dass sich das bei Nintendo noch nie anders war und sie wirklich in keinen einzigen Fall irgendeines Titels ihrer Kernmarken auf irgendeiner anderen Plattform veröffentlichen, von Crossovers jetzt mal abgesehen. Aber da Nintendo sein eigenes Süppchen kocht und das auch nicht ganz schlecht lässt sich das vielleicht nicht so richtig vergleichen. Dennoch ermöglicht Nintendo mit seiner stärkeren Hardware Switch 2 sehr viel mehr Blockbuster-Titel mit guter Grafik auch auf ihrer neuen Konsole. In diese Richtung ist man dort zumindest offen.
Bei den Third-Party-Studios ist der wirtschaftliche Druck zurzeit natürlich genauso hoch, allerdings scheint die Antwort hier genau in die Gegenrichtung zu gehen. Viele der mittelgroßen Publisher haben schon ihre Strategien angepasst und inzwischen verstanden, dass es für sie essentiell wichtig ist, sich nicht an eine Plattform zu binden, sondern möglichst viel Reichweite mit ihren Titeln zu bekommen.

Das beste Beispiel waren hierfür seit einigen Monaten die Japaner von Square Enix, der Traditionskonzern mit der Final-Fantasy-Marke zum Gelddrucken. Im Hintergrund hatten sie es hinbekommen auch sich selbst in den Zwang zu bringen, die finanziellen Weichen anders stellen zu müssen. Waren früher die Verbindung Final Fantasy und Sony noch äußerst innig, so hat man sich in den letzten Monaten dazu bekannt eine hoch aggressive Multiplattform-Zukunft auszurufen. Hintergrund sind anderweitig wegbrechende Gewinne im Konzern. Um diese neue Strategie zu erreichen, soll auf Effizienz und niedrigere Kosten gesetzt werden. Man will ungefähr 17 Millionen Euro einsparen, dabei werden auch eine ganze Reihe Abteilungen von 11 auf 4 Abgesägt. Neue große Marken sollen ausschließlich nur noch in Japan produziert werden, internationale Studios und Marketing müssen demnach wahrscheinlich schließen. Kritischer wird sich langfristig eventuell die fragwürdige Entscheidung auswirken 70 % der Aufgaben in der Qualitätssicherung nur noch durch KI erledigen zu lassen. Diese kann sicherlich gerade im QA-Bereich einige Sachen gut automatisieren, aber eine derart drastische Reduzierung wird sich sicher dennoch auf die Bugs und Stabilität kommender Titel auswirken. Schöne neue Welt!

Als letzter neuer interessanter Player wäre dieses Jahr eigentlich sogar Valve mit Steam und seiner Steam-Machine dazugekommen. Wäre? Ja, denn diese Konsole kam mit massiver Verspätung im Sommer mit Kleinkontigent auf den Markt und auch durch die Komponenten-Knappheit zu hoch übertriebenen Preisen. Insofern spielt sie aktuell noch keinen ausschlaggebenden Faktor, lediglich als Konzept mit ihrer sehr offenen Architektur die zumindest erstmal alle Steam-Titel zulässt. Wenn man sie denn kriegen kann, stellt sie aktuell vielleicht die attraktivste und universellste Option im grafischen Mittelfeld dar.

Für uns als Gamer stellt sich die Frage sind wir hier Gewinner oder Verlierer? Einerseits haben wir eine überwiegend große Anzahl an Party-Publishern, die ihre Titel für fast alle Systeme erscheinen lassen. Und damit haben wir wahrscheinlich mehr Auswahl als jemals zuvor. Selbst auf den Konsolen kann man sich der Pile of Shame richtig schön vollknallen.
Andererseits gibt es aber auch insbesondere bei Sony Playstation eine große Anzahl sehr, sehr guter First-Party-Studio-Titel, die nun nach den letzten Kurskorrekturen wieder mehr auf ihrer Plattform eingesperrt werden. In der Hinsicht sind wir, wenn man sich für diese Marken und Geschichten interessiert, sicherlich eher auf der Verliererseite.
Man muss sich auch fragen, ob hier nicht ein bisschen Gaming-Kultur stirbt. Zwar könnten wir gerne auf diese lächerliche jahrelange Marketing-Rhetorik vom Konsolenkrieg verzichten, und es ist als Konsument auch nicht schlecht, dass sich die Vermarkter mal wieder richtig Mühe anstrengen, mögliche echte Alleinstellungsmerkmale verkaufen zu müssen. Aber für ihre tollen Titel, wenn man dann doch diese Titel sehr liebt, wird man zuletzt wieder stark an die überteuerten Geräte gefesselt. Die Zeiten subventionierter Hardware scheinen in dieser Krisenzeit leider vorbei zu sein. Fürs Weitere jedenfalls.

Nach den letzten Wochen scheint nun die Zukunft der Gaming-Kultur, der Hardware-Lager und die Zukunft der bekannten Spielemarken unsicherer denn je.
Entweder die aktuellen Korrekturen halten nicht lange vor und in fünf bis zehn Jahren wird es vielleicht weniger Plattformschranken geben und dann wirklich keine klassischen Exklusiv-Titel mehr. Eine andere Option könnte sein, dass sowieso alles nur noch gestreamt wird und mehr und mehr in die Cloud geht. Allerdings dürfte das auch noch mindestens 5 Jahre dauern, bis dieser Punkt erreicht ist, vor allen in Europa.
Oder die großen Firmen verbarrikadieren ihrer Position im Markt mit unterschiedlichen Exklusivstrategien. Das ist dann zwar im Großen und Ganzen natürlich nicht die beste aller Welten für uns. Aber selbst dann ist vielleicht noch verschmerzbar. Denn ganz ehrlich im Vergleich: Wievielte über-krasse Exklusivmarken haben die beiden Hardwareplattformen Playstation und Xbox denn aktuell überhaupt noch?
Gut, bei der Playstation gibt es schon noch eine Handvoll, aber deren Veröffentlichung-Strategie zieht sich auch aufgrund der Produktionsaufwände immer mehr in die Länge.

Jedoch gerade bei der Xbox muss man sagen, dass sich nur über den künstlichen Zukauf diverser anderer Publisher deren Markenportfolio signifikant erhalten ließ. Nur wer wirklich nur auf ein Forza, auf ein Halo oder auf ein Gears of War steht, der hat wahrscheinlich noch einige wenige Gründe für die Konsole, aber eben kein ein ganzes Portfolio mehr, was ihm entgehen würde, wenn man auf eine andere Plattform wechselt.
Wir sind ehrlich gesagt etwas ermüdet von diesem autoritären Umgang der Firmen mit ihren besten Kunden. Wir hoffen, dass man trotz Finanzdruck auch irgendwann mal wieder auf diese hört, und mutig genug ist auch mit geringen Gewinnen und Risiko neue Märkte zu erschließen. Denn ansonsten fühlt es sich nur noch wie das Modell des klassischen goldenen Käfigs an für den wir selbst das Gold erarbeiten. Ansonsten könnte es irgendwann für die zwei großen Konsolenhersteller irgendwann selbst erübrigen.

Wie seht ihr die Situation? Bleibt ihr in eurem Markenlager? Oder führt er euch inzwischen auch so veräppelt, dass ihr lieber stattdessen auf einer offenen Plattform spielt? Wir sind gespannt von euren Zukunftsaussichten zu erfahren.