XBox verdient zu wenig: 3 wichtige Studios von Schließung bedroht
Es sind schon seltsame Zeiten in der von Hypezyklen getriebenen US-Wirtschaft und in der Gaming-Industrie allgemein. Während einerseits seit Jahren unvorstellbare Summe an Investitionsgeldern in den KI-Wettkampf ohne tragfähiges, langfristig profitables Geschäftsmodell unhinterfragt gefeuert werden, wird derzeit bei anderen Endkundengeschäftsfeldern immer härter durchgegriffen und diese auf der KI-Bedürfnisse zum Teil auch schon fast abgewürgt. Auch wenn man selbst wie im Fall von Microsoft in den Jahren zuvor ohne harten Fokus oder besonders präziser Strategie genau in diesen Bereichen, wie hier nun die XBox Game Studios, bereits Unsummen (ca. 20 Mill. $) in den Einkauf von Studios investiert hat, nur um sich als Platzhirsch breiter aufzustellen.
Doch was ist eigentlich aktuell passiert? Im Frühjahr fanden diverse hochkarätige Wechsel im Management statt: CEO Spencer ging in die Vorrente, Sarah Bond erzwungen gleich mit und die zunächst sympathetische Asha Sharma übernahm als CEO um die XBox-Marke aufzupolieren. Unklar mit welchem Vorwissen, durfte sie sich aber gleich auch der undankbaren Aufgabe annehmen, direkt die großenteils nicht profitabel genug performende Hausstudiolandschaft auf Vordermann zu bringen.
Wie US-Medien dann veröffentlichten gerieten nun erstmal die drei beliebten Studios Double Fine (Psychonauts), Ninja Theory (Hellblade) und Compulsion Games (South of Midnight) ins Schussfeld der Sparoffensive. Während es natürlich für alle Drei schade wäre, wenn sie dann komplett schließen müssen, so ist es doch besonders bitter für Double Fine, weil der sympathische Tim Schaefer immer seine Indie-Kreativität hochhielt. Und für Ninja Theory ebenso, weil hier große Blockbuster mit wichtigen Themen entstanden und sie zudem Tage zuvor auf der XBox-Show den dritten Hellblade-Teil Senua vorstellen durften, der sehr vielversprechend aussah.
Während es bei Compulsion bereits schon sehr düster aussieht und bereits wohl Leute gehen müssen, ist bei den anderen beiden Kritikerlieblingen noch nicht aller Tage Abend. Tatsächlich sollte diese kommunikativ ungemein schlecht gesteuerte Situation zunächst den Studios Zeit geben sich entweder aus dem Konzern herauszukaufen oder andere Investoren zu werben.
Ob das in diesen wirtschaftlichen Zeiten erfolgreich sein kann, werden wir sehen müssen. Einzelne Beispiele wo das zuletzt schon klappte, gibt es aber dennoch auch, z.B. das Studio Toys for Bob. Aber auch im erfolgreichen Fall einer Unabhängigkeit wird dieser Weg dann ein schwerer sein ohne das Big-Konzern-Money im Hintergrund. Wenige, kleine Fehlentwicklungen würden hier schnell ebenfalls das Aus bedeuten.
Vermutlich werden wir bei dieser schweren Geschichte bereits nach dem 30. Juni mehr wissen. Das ist eine interne wichtige Deadline für die Zukunftsentscheidungen, da an diesem Datum das Microsoft-Geschäftsjahr endet. Viele in der Branche werden gespannt darauf warten die Zukunft dieser kreativen Indies aber auch der gesamten XBox-Studio-Landschaft zu erwarten.
Es schließt sich nun der Kreis, der in 2018 mit massiven Zukäufen bei XBox begann und häufig durchaus wirtschaftlich und in seiner Sinnhaftigkeit hinterfragt werden konnte. Hoffentlich werden unter der Situation diese Entwickler nicht ihre Management-Fehler ausbaden müssen.